Wie überall in der Reiterei, wird die eigentliche Arbeit im Stall geleistet, wobei dem Polo Pferdepfleger oder in Polokreisen „Groom“ (die engl. Bezeichnung für Pferdepfleger) genannt, eine tragendere Rolle zukommt.
Wer in der Landwirtschaft oder mit Pferden arbeitet, kann nicht nach der Stechuhr arbeiten, hier wird das Hobby zum Beruf gemacht, sonst kann es von Anfang an nicht funktionieren.
In der Regel arbeitet der Groom für einen Polospieler und kümmert sich mit Hingabe ausschließlich um dessen 6 – 8 Pferde; er ist nicht in einem festen Club oder Stall angestellt. Ausnahmen bestätigen jede Regel, aber wir wollen hier ja ein typisches Profil darstellen.
Der Groom hat 7 Tage die Woche flexible Arbeitszeiten, bei meist freier Zeiteinteilung mit kleineren Einschränkungen.
Anforderungsprofil eines typischen Arbeitstages: Füttern, misten, putzen der anvertrauten Pferde. Alle Pferde sind zweimal am Tag je eine Stunde zu bewegen. Um dies bewältigen zu können und auch für die hervorragende Gymnastizierung der Pferde bietet sich das Konditionstraining mit Handpferden an. Dabei reitet der Groom ein Pferd und in Abhängigkeit von den räumlichen Gegebenheit des jeweiligen Stalls und der vorhandenen Galopp-Trainingsbahn nimmt er zwei bis vier Pferde mit. Der Menge der Handpferde sind keine Grenze gesetzt, kommt wie gesagt ganz auf die Breite der Trainingsbahn und den Fähigkeiten des Reiters an. Nach der Mittagspause und vor dem nachmittäglichen Auslauf der Tiere wird in der Regel die Box noch einmal abgeäppelt, damit es die Lieblinge zur Nacht auch wieder schön haben in ihren Boxen. Füttern, tränken und eindecken, für das schönere Fell, schließlich will man auf Turnieren starten und möchte sich auch entsprechend präsentieren, und der typische Arbeitstag ist vorbei. Im Heimatstall wird dann noch an drei bis vier Tagen die Woche Polo trainiert, denn Konditionstraining ist nicht alles. Auch an diesen Tagen sollte morgens wenigstens eine Stunde im Schritt geritten werden für die Muskulatur und sollte das nachmittäglich angesetzte Polo Training z.B. wegen Regen abgesetzt werden, dann heißt es für den Groom seinen Hintern aufs Pferd schwingen und ab die Lucy, denn wie wir alle wissen brauchen die Lieblinge täglich ausreichend Bewegung für ihr Wohlbefinden, besonders wenn sie nicht wie Freitzeitpferde in Offenstallhaltung stehen.
In Europa werden alle Pferde gesattelt und getrenst. In Argentinien, wo ein Spieler nicht nur einen Groom sondern mehrere Leute für sich und sein Team an der Ponyline stehen hat, wird zwischen den Chukkern umgesattelt, damit man eben nicht für seine 8 oder mehr Pferde am Spielfeldrand einen eigenen Sattel braucht. In Deutschland werden aber in der Regel alle Pferde gesattelt und getrenst. Allen Pferden werden die vier Beine bandagiert bzw., durch andere geeignete Gamaschen geschützt und die Schweife hoch gebunden. Nicht zu vergessen, der Profi-Groom schert jeden Freitag die Mähne seiner Pferde, allzeit bereit. Vorsichtshalber noch etwas Ersatzmaterial, wie Halfter und Strick, Steigbügelriehmen, Bandagen, eine Wundcreme, die Regendecken etc. eingepackt und ab auf den Platz. An Spielfeldrand ist der Groom für die Pferde zuständig. Leichte Zuarbeiten, wie dem Spieler das Pferd beim Aufsteigen festhalten, den Schläger und die Gerte zureichen etc. sind hier gefragt. Ach nicht zu vergessen. Vor jedem Einsatz sollten die Pferde warmgeritten werden. Dann bitte immer noch ein Auge auf das gerade spielende Pferd, es könnte im Spiel kleine Macken und unangenehme Angewohnheiten zeigen, die dann bitte in der Woche wieder austrainiert werden sollen. Das zweite Auge immer auf die Ponyline, damit es dort zu keinen Streitereien zw. den Pferden kommt, den meistens ist es recht eng und auf Turnieren oft auch sehr improvisiert. Alles ganz ruhige und entspannte Arbeit. Der Groom ist ja flexibel und einfallsreich. Da wird auch schon mal direkt aus dem Turnierstallzelt heraus die Pferde zw. Chukker und Chukker gewechselt oder am Transporter eine Leine gespannt, oder, oder, oder….
Auch vier Chukker Polo gehen einmal vorbei und dann wartet nach der Versorgung der Tiere ein Haufen Bandagen darauf aufgewickelt zu werden und täglich viel, viel Sattelzeug, welches vom Pferdeschweiß befreit und mit Sattelseite gepflegt werden möchte. Kleine Blessuren und andere Verletzungen oder Krankheiten wollen wir hier nicht berücksichtigen, denn es ist für jeden Groom selbstverständlich sich die Nacht im Stall bei seinem Koliker oder dem Warten auf den Tierarzt um die Ohren zu schlagen.
Aus eigener Erfahrung, was viele unbedarfte Reiter für Quälerei halten, dass die Polopferde oft über den Tag und in der Nacht entweder in der Box angebunden sind oder einen Maulkorb aufbekommen, hat meine Pferde und davon bin ich überzeugt, schon vor so mancher Kolik oder Verschlag geschützt. Wenn der Groom kontrollieren kann, egal in welchem Stall die Pferde stehen, denn es wird oft und gern von Turnier zu Turnier gereist, was und welche Mengen die Pferde fressen, dann ist schon die erste und wichtigste Hürde für das optimale Wohlbefinden der Schützlinge bewältigt. Kein Hochleistungssportler kann sich den Magen mit Müsli kurz vor dem Marathon vollstopfen und so sollte sich auch ein Polopferd ein paar Stunden vor dem Spiel nicht den Magen unkontrolliert mit Stroh oder schlimmer noch mit Späne vollstopfen. Dies gilt selbstverständlich auch fürs Wasser. Automatische Wassertränken sind eine unglaubliche Erleichterung in der Pferdepflege, wenn ich viele Tiere zu betreuen habe, oder eben nur einmal am Tag bei meinem Pferd vorbeisehe und es sonst vom Stallpersonal füttern lasse. Der Groom ist aber ausschließlich für seine Pferde zuständig. Es ist wichtig zu wissen, ob die sensible Stute nach der langen Fahrt überhaupt Wasser zu sich nimmt und wie viel? Ob die neue Umgebung ihr auf den Magen schlägt. Manche Pferde sind nervöser als andere und jedes kleine Zeichen ist ein Wink an den Groom entsprechend zu reagieren. Da geht man dann doch gerne abends nach dem eigenen Abendessen, so gegen 22 Uhr noch einmal im Stall vorbei und hält jedem Pferd noch einen Eimer Wasser vor die Nase. Eine Creme hier, eine Decke dort wieder gerade gerückt und ab ins Bett.
Der Montag ist „Ruhetag“ im Stall, aber die Pferde wollen trotzdem ihr Futter und wer Montags nicht die Boxen mistet hat am Dienstag die doppelte Arbeit. Naja, und nicht zu vergessen, wenn am Wochenende Turnier war, dann darf sich der Groom am Montag im LKW ausruhen, wenn er den nicht auch noch selber fahren muss.
Ansonsten trägt der Groom die Verantwortung für die Gesundheit der Pferde, die regelmäßige Hufpflege wird von ihm kontrolliert und koordiniert, der Zustand des Equipments insbesondere Sattelzeug untersteht ihm und der gute Groom bespricht selbstverständlich die Stärken und Schwächen jedes seiner Kandidaten mit seinem Polospieler, um dann gemeinsam den Einsatz bei den Spielen oder auch eine Ruhepause zu entscheiden. Unarten müssen in der spielfreien Zeit wieder weg trainiert werden und so mancher Groom koordiniert auch die Turnierteilnahmen zumindest was hinsichtlich der Pferde zu organisieren ist, wie Pferdeunterbringung, Hin- und Rücktransport, Futter vor Ort, Pflegerunterbringung etc.
Habe ich sonst noch etwas vergessen, dann sei mir verziehen.
Insgesamt also ein interessantes Stellenprofil, wie ich meine. Nur Schade, dass es weltweit noch keine offiziellen Ausbildungsorte zu diesem Job gibt. Man kann nur hoffen von einem Senior Groom unter die Fittiche genommen zu werden. Anders in Argentinien, da fangen alle Anwärter in ordentlichen Polo Clubs als Helfer des „Peticeros“ (spanische Bezeichnung für den Groom) an. Da muss man sich noch richtig hocharbeiten, bevor man je die Bezeichnung „Peticero“ tragen darf. Aber insbesondere durch die verschiedenen Wirtschaftskrisen laufen leider außerhalb von Argentinien viele „günstige“ Argentinier herum, ohne wirkliche Qualifikationen, denn nicht überall wo Argentinien im Reisepass steht, ist auch ein Polokenner drin.
In diesem Sinne habt Acht auf Eure Pferde!
Sandra Funk
Polo Sport Expertin, Autorin
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